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Diagnose: Sehnenschaden.

Sehr gefürchtet und auch sehr verbreitet. Viele haben es schon gehört, aber kaum einer kann wirklich genau erklären was passiert ist, wenn sein Pferd einen Sehnenschaden hat. Dem möchte ich hier ein wenig Abhilfe schaffen und gleichzeitig ein paar „Gedenken-Anstubser“ geben, Anstöße warum unsere Reitpferde so oft betroffen sind,  Wildpferde aber nicht (keine Sorge, ich werde nicht über Sportreiter herfallen!). Also, was könnte der Grund sein? Im Idealfall haltet ihr bis dahin durch und ich kann euch vielleicht noch eins, zwei Impulse geben, welche Therapieformen die richtigen sind.

Beginnen wir chronologisch. Welche Ursachen gibt es für einen Sehnenschaden? Natürlich kann ein Sehnenschäden durch ein starkes Trauma entstehen, beispielhaftes Szenario: Ich führe mein Pferd auf die Koppel, Pferd erschrickt sich, springt zur Seite und verletzt sich die Sehne an einem scharfen Gegenstand. Symptome können beispielsweise sein: Druckschmerz, vermehrte Wärme und Schwellung, leichte bis sehr starke Lahmheit, starkes Entlasten eines Beins, vermehrtes hinlegen. In diesem Fall würden wir den Tierarzt rufen und würde wahrscheinlich mit Hilfe eines Ultraschallgeräts die Diagnose Sehnenschaden stellen.

Allerdings kann die Diagnose Sehnenschaden für die Sehne an sich viele Unterschiedliche bedeuten. Entweder die Sehne ist durch ein Trauma gerissen, das bedeutet in unserem Beispiel oben, das Pferd ist beim Satz zur Seite mit dem Bein an einen scharfen Gegenstand gekommen, die Sehne war gerade gespannt, da das Pferd das Bein belastet hat und der scharfe Gegenstand hat die Sehne durchtrennt. Ich glaube das Beispiel ist einleuchtend und jeder kann sich das Szenario bildlich vorstellen. Ein Sehnenschaden kann aber auch bedeuten, dass die Sehne stark entzündet und das Bein generell angeschwollen ist und sie einfach nicht mehr so leistungsfähig sein kann wie zuvor. Tritt dieser Fall ein, war es wahrscheinlich kein traumatisches Ereignis, sondern ein schleichender, schon länger brodelnder Prozess. Doch was sind hier die Faktoren, dass es soweit kommt?

 

Sehnen & Genetik

Natürlich stimmt es, dass bestimmte genetische Faktoren die Zugfestigkeit von Sehnen beeinflussen. Sehnen bestehen aus Bindegewebe und verbinden den Muskel mit dem Knochen. Auch bei uns Menschen gibt es Personen, die in der genetischen Lotterie den Jackpot gezogen haben und die ein extrem starkes und straffes Bindegewebe haben. Dann gibt es die, die eher nicht so viel Glück hatten und deren Bindegewebe trotz Training eher schwächer bleibt. Die Besonderheit beim Pferd ist dabei, dass das Pferd durch die Evolution zu einem relativ großen und schweren Beutetier wurde, dessen Strategie es war, sehr ausdauernd bei hoher Geschwindigkeit große Distanzen zurück zu legen. Dies hatte zur Folge, dass die Beine lang und leicht werden „mussten“ und dadurch viele Muskeln – die wir oder Hunde im Prinzip genauso haben wie Pferde – statt schöner, bauchiger Muskeln zu langen starken Sehnen wurden. Die Stärke der Sehnen ist nicht die Dehnfähigkeit wie bei Muskeln, sondern die starke Zugfähigkeit. Doch was bedeutet das konkret? Wenn man sich beispielsweise das Fesselgelenk anschaut, erkennt man aufgrund der Anatomie, dass es nicht dafür gemacht ist total elastisch und beweglich zu sein, sondern dem Pferd Stabilität geben soll. Der Fesselträger eines auf fußenden Pferdes muss nach einem Sprung von ca. einem Meter Höhe ca. 250 % seines Körpergewichtes abfedern können. Das heißt es soll hier gar nicht beweglich werden, sondern abfedern, Stabilität geben und den Körper gewissermaßen schützen.

Wir haben jetzt also verstanden was die Aufgabe der Sehnen ist, dass sie traumatisch kaputt gehen können und dass die Genetik eine Rolle spielen kann. (Achtung! der letzte Punkt wird nochmal nachher spannend) Eine weitere wichtige Information ist es, dass Sehnengewebe nur bedingt trainiert (wir trainieren hauptsächlich Muskeln) und schwach durchblutet ist. Wie können wir also die Sehnen positiv im Training beeinflussen?

Sehnen & Training

Häufig liest man, ein Fesselschaden kann auch bei nicht ausreichenden Training entstehen oder bei schlechter Grundkondition. Natürlich können wir auch Sehnen ein Stück weit trainieren. Es ist nicht sinnig, ein Pferd, dass noch nie wirklich gesprungen ist und dessen Sehnen diese Bewegung noch nicht kennengelernt und gespeichert haben (jaa das stimmt tatsächlich – ich sage nur fasziales Gedächtnis)  im Freispringen direkt hoch springen zu lassen. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass regelmäßiges richtiges Training schützen kann. Leider muss es das aber nicht, denn andere Faktoren spielen hier mit eine Rolle und diese können weitaus wichtiger sein. Allerdings kann ein Sehnenschaden aber auch durch Überbelastung entstehen, dass muss jetzt nicht direkt Überbelastung im Training bedeuten, sondern in der Situation. Stellen wir uns also wieder ein Szenario vor. Mein Pferd springt und ist kurz vor der Landung, wir drücken mental die Freeze-Taste und überlegen uns, was könnte genau im Augenblick der Landung für meine Sehne Überbelastung bedeuten. Überlastung vielleicht tatsächlich im Sinne von zu hoch. Ist das Pferd schon so hoch gesprungen oder überfordere ich gerade die gesamte Biomechanik des Körpers damit? Überbelastung in dem Moment könnte aber auch das Gewicht sein. Wir haben bereits gelernt, der Fesselträger kann bis zu 250% des Körpergewichts abfangen, das bedeutet aber auch 250% des Normalgewichts. Zum Normalgewicht des Reitpferdes kommt aber auch noch das Reitergewicht und vielleicht eins, zwei Speckpolster des Pferdes…. Bedeutet also im Klartext, ich strapaziere meine Sehnen bei jedem Schritt, wenn mein Pferd adipös ist. Und der Pferdekörper erfährt logischerweise eine Mehrbelastung bei jedem Schritt unterm Reiter. In der Literatur spricht man häufig von einem Idealgewicht des Reiters, wenn das Reitergewicht 10 bis maximal 15% des Pferdegewichts entspricht. Also sollten im besten Fall Reiter und Pferd gewichtstechnisch zueinander passen und trotzdem beide körperlich das Idealgewicht anstreben! Bitte immer vom Normalgewicht des Pferdes ausgehen! Der Super-Gau wäre, wenn mein Pony statt 300kg, 450kg wiegt – übrigens keine Seltenheit – und ich dann als Reiter 15% davon errechne (67,5kg) und mich mit 70kg Körpergewicht knapp über dem Limit sehe. Dann tragen die Sehnen meines Ponys nämlich direkt mal 520kg statt 300kg und da sind wir schon bei knapp 180% der Sehnenbelastung, da braucht es keine großen Sprünge mehr um auf über 250% zu kommen.

Eine Überlastung könnte aber auch durch eine temporäre Verlagerung der Kräfte sein, wenn das Pferd falsch aufkommt oder wegrutscht. Man braucht nicht viel Vorstellungsvermögen um zu verstehen, was für eine Mehrbelastung auf die Sehne entsteht, wenn das Gewicht des landenden Pferdes nur punktuell auf eine Seite kommt, statt gleichmäßig verteilt aufs ganze Bein.

Sehnen & Böden

Was für Faktoren gibt es außerdem? Häufig wird als Ursache auch noch der Boden genannt. Doch kann der schlechteste Sandboden schlimmer sein, als der felsige Untergrund der Wildpferde oder als beispielsweise der Asphalt der Kutschpferde? Bitte nicht falsch verstehen, es gibt super tolle Böden, die federn und den Bewegungsapparat schonen. Diese Böden sind auch zu benutzen und es ist auf jeden Fall erstrebenswert einen derartigen Boden auf seinem Trainingsgelände zu haben, um das Pferd so schonend wie möglich zu trainieren. Aber es ist eben nicht alles. Habt ihr schon mal etwas von propriozeptiver Wahrnehmung oder auch Tiefenwahrnehmung gehört? Häufig fällt dieser Begriff im Zusammenhang mit Ergotherapie. Auf Wikipedia ist es wie folgt definiert: „Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum oder der Lage einzelner Körperteile zueinander. Es handelt sich somit um eine Eigenempfindung.“

 Also im Prinzip wird der Körper darauf trainiert, sich selbst zu spüren und seine Gliedmaßen zu koordinieren. In der Pferdewelt könnte man es vielleicht laienhaft mit der Trittsicherheit beschreiben. Das Pferd lernt viele verschiedene Böden kennen, lernt durch Fehler und die Tiefensensibilität wird gestärkt. Auf die Sehnen bezogen, werden sie – in Kombination mit ihrem faszialen Gedächtnis – darauf trainiert, sich schnell unterschiedlichen Gelände anzupassen, schnelle Rückmeldungen an die Kontrollzentren Gehirn und Rückenmark zu geben und auch kleinere Unebenheiten problemlos auszubalancieren. Für Wildpferde oder Arbeitspferde bedeutet das durch die schonungslose Gewöhnung an verschiedene Böden und auch alle möglichen Formen der Bewegung auf den Böden wird der Körper trainiert und „abgehärtet“. Im Klartext heißt das, ja wenn toller Boden vorhanden ist, Training bitte hier und den Pferdekörper schonen. Aber genauso wie Dressurlektionen oder unterschiedliche Parkour Kombinationen trainiert werden, sollte auch Bewegung und auch ganze Bewegungsabläufe auf unterschiedlichen Bodengegebenheiten trainiert werden.

Sehnen und Stellungsfehler

Die wohl häufigste Ursache für Sehnenschäden, neben eventueller Trainingsfehler, sind Stellungsfehler. Man muss nicht viel Ahnung von der Biomechanik eines Pferdes haben, um sich vorstellen zu können, dass ein Stellungsfehler Auswirkungen auf gewisse Zugverhältnisse im Pferdekörper haben kann/ hat.  Für das bessere Verständnis ein paar Bilder:


Quelle:
https://www.enpevet.de/Lexicon/ShowArticle/42111/fehlstellungen

Betrachtet man die Zeichnungen, wird schnell klar, dass wenn mein Pferd beispielsweise zeheneng steht, die äußeren Sehnen wahrscheinlich deutlich mehr Zug aushalten müssen und als die inneren Sehnen. Natürlich sind die Zeichnungen für viele Pferde überspitzt (ein paar laufen leider ein ganzes Leben tatsächlich so) dargestellt, aber selbst kleinere Verschiebungen in der Körperachse können bei einem Lebewesen, das locker 500kg wiegen kann, verheerende Folgen haben. Und die meiste Pferde, egal ob Sportpferd oder Freizeitpartner, haben in unterschiedlich stark ausgeprägten Stufen solche Stellungsfehler. Woher kommen diese? Natürlich gibt es auch hier – wie fast überall genetische Faktoren, die einen Stellungsfehler verursachen können. Häufig entstehen sie aber im Jungpferdealter. Ein Bein wächst schneller, oder der Körper befindet sich kurze Zeit im Ungleichgewicht und schon reagiert der Körper durch Verschiebungen in der Körperachse. Dies ist erstmals nicht schlimm und ich bin mir relativ sicher, dass viele Stellungsfehler vermieden werden könnten, wenn alle Jungpferde regelmäßig von einem Hufschmied o.ä. ausgeschnitten werden würden und man so in relativ kurzen Abständen auf Fehlstellungen reagieren könnte und diese Korrigieren würde.  Doch meistens sieht die Jungpferde Realität anders aus. Die Hufe werden vielleicht mal ein wenig bearbeitet, wenn das Fohlen noch bei der Mutter ist und diese einen Termin hat (auch das ist bei vielen Zuchtstuten keine Selbstverständlichkeit). Dann kommt die nächste ernsthafte Hufkorrektur erst wieder wenn das Jungpferd angeritten wird. Doch dazwischen finden im Pferdekörper selbst die größten Veränderungen statt, man könnte es fast als fahrlässig bezeichnen, die Hufe sich in der Zeit selbst zu überlassen.

            Natürlich können auch im späteren Leben Fehlstellungen entstehen, wenn der Huf falsch bearbeitet wird und man den Körper nach einer Verletzungen nicht ausreichend unterstützt und sich Fehlhaltungen und damit fehlerhafte Zug- und Belastungszustände im Pferdekörper etablieren.

Sehnen & Prävention

Auf den letzten Seiten haben wir uns jetzt nur damit beschäftigt, wie man die Sehnen seines Pferdes überbelastet und ihnen dadurch schadet. Doch was können wir jetzt konkret tun, um sie zu schützen und unserem Pferd langfristig vor Sehnenschäden zu bewahren? Hier kommen die TOP FIVE!

  1. Das Pferd gut warm reiten – wie wir gelernt haben, sind Sehnen schlecht durchblutet und so brauchen sie noch mehr Zeit als die Muskulatur bis sie gut durchblutet Last aufnehmen können – apropo Last: muss ich immer warm reiten oder kann nicht erst auch mein Pferd vom Boden gymnastizieren?   
  2. Pferd beim Aufsteigen stehen lassen – jetzt fragen sich die meisten wahrscheinlich – was hat das damit zu tun? Da die meisten Pferde warm geritten werden und viele direkt aus der Box kommen, ist mein Pferd bzw. die Muskulatur und der Sehnenapparat kalt, wenn ich aufsteige. Zudem sind wir besser im Gleichgewicht, wenn das Pferd während des Aufsteigens steht. Was passiert also, wenn das Pferd während des Aufsteigens anfängt zu laufen? Szenario: Mein Pferd macht nur einen Schritt nach vorne: Wir steigen von der linken Seite auf, das Pferd macht einen (Ausgleichs-)Schritt, entweder weil es nicht ausreichend erzogen ist oder um sich vielleicht besser auszubalancieren. Dann kippe ich als Reiter wahrscheinlich nach vorne rechts, genau auf das Bein, dass gerade auch beim Pferd durch den Ausgleichsschritt stärker belastet ist. Passiert das nur selten, ist es kein Problem. Passiert es aber täglich bei jedem Aufsteigen werden die Sehnen des rechten Vorderbeins im „kalten Zustand“ immer mehr belastet. Manchmal kommen vielleicht noch andere Ursachen hinzu. Manchmal reicht alleine das, das ein Pferd irgendwann einen Sehnenschaden bekommt
  3. Training auf unterschiedlichen Böden. Der obere Absatz Sehnen und Böden verrät schon, warum es Sinn macht auch mal eine Runde durchs Gelände zu gehen oder auf einem anderen Platz zu trainieren
  4. Das richtige Equipment – dass sich das Pferd frei bewegen kann und beispielsweise nicht wegen eines schlecht sitzenden Sattels klemmt und so die Vorderhand über verhältnismäßig stark überbelastet oder aufgrund einer zu engverschnallten Trense nicht das Genick hergeben kann. Unter Equipment fällt natürlich auch Beinschutz wie Bandagen oder auch Gamaschen.
  5. Die richtige Hufbearbeitung – wird mein Pferd „nur“ ausgeschnitten sollte ich besonderen Wert auf die Bearbeitung der Sohle, des Strahls und der Trachten legen, wird mein Pferd beschlagen ist es auch wichtig sich Gedanken darüber zu machen, welcher Beschlag zu meinem Pferd passt. Brauche ich normale Eisen, Stollen, einen orthopädischen Beschlag, um Stellungsfehler auszugleichen oder DUPLOs? (Generell bin ich ein großer Fan von alternativen Beschlägen, doch finde ich den Hype um Dupols teilweise problematisch. Auf der Website von Duplo steht beispielsweise, dass Dupol Eisen lange Gleitphasen verhindern, was unter bestimmten Gegebenheiten für ein Pferd große Vorteile bringt. Andersherum betrachtet ist es aber auch so, dass der Huf beim Auffußen nicht mehr gleiten kann und so immer sehr abrupt abgebremst wird. So entsteht ein ganz anderes Zug- und Lastverhältnis für den gesamten Hufmechanismus und die Sehnen. Dieses Abbremsen ist natürlich auch abhängig vom Boden und so fällt es deutlich weniger ins Gewicht wenn ich hauptsächlich auf Sandboden ohne große Reibung reite. Umso mehr fällt es aber ins Gewicht wenn ich viel über griffige Böden wie Asphalt oder Schotter reite. Da ist die Belastung für die Sehnen und den Huf besonders groß. Leider sind aber grade die Dupolos besonders in der Distanzreiter- und Wanderreitergemeinschaft besonders weit verbreitet. 

Sehnen & Therapie

Was aber tun, wenn mein Pferd nun einen Sehnenschaden hat. Zu allererst ehrlich zu sich selbst sein! An was liegt es? Habe ich als Halter einen Fehler gemacht, wie falsches Training unzureichendes Equipment oder ähnliches? Dann Prävention betreiben und aus seinen Fehlern lernen.  Liegt es daran das mein Pferd einen Stellungsfehler hat und wenn ja, was kann ich daran noch ändern? Liegt es an einer fehlerhaften Hufbearbeitung oder ist der Stellungsfehler noch nicht so manifestiert, dass ich mit gezielter Physiotherapie eine Veränderung in der Biomechanik verändern kann?

Generell würde ich bei einem Sehnenschaden generell auch immer einen Physiotherapeuten hinzu ziehen und die Situation auch von ihm oder ihr bewerten lassen. Besonders unter vielen Tierärzten ist das Non-plus-ultra immer noch die absolute Boxenruhe. Doch macht das aus physiologischer Sicht Sinn? Ich würde behaupten nein. Natürlich muss ich das Pferd ein Stück weit schonen und zusätzliches (Reiter-)Gewicht vermeiden aber ich finde es eher kontraproduktiv, das Pferd für einen gewissen Zeitraum in eine Box zu sperren und es mit seiner angestauten Energie und ohne Ablenkung alleine zu lassen. Unter Physiotherapeuten, die immer für Bewegung sind, ist es daher weit verbreitet das Pferd trotzdem im Schritt zu bewegen und es auch auf einem Paddock sich frei bewegen zu lassen (eine Herde mit viel Bewegung wäre natürlich wieder kontraproduktiv), noch besser geht mein Pferd jeden Tag mit mir spazieren und darf sobald es gut aufgewärmt ist (!) sich ein wenig frei bewegen. Wenn es nur in der Box steht und dann aufgrund von Lagerkoller steigt oder bockt oder Verhaltensauffälligkeiten wie weben oder koppen beginnt. Zudem werden bei leichter Bewegung die Sehen besser durchblutet, was wiederum der Heilung dient und Narben bilden sich weniger stark aus, sodass die Sehnen später belastungsfähiger sind.

            Zusätzlich kann man den Genesungsprozess noch durch Physiotherapie oder Osteopathie, Gefäßtherapie, Taping, Akupunktur, Lichttherapie oder gezielte Übungen durch den Besitzer unterstützen und so langfristig stärkere Sehnen trainieren. Gerne berate ich euch oder erstelle gemeinsam mit euch und für eure Gegebenheiten einen Trainingsplan.

Noch eine kleine Gedankenanregung zum Schluss. Was passiert mit einer Stute, die mit 10 Jahren schon einen massiven Sehenschaden hat und „platt“ ist. Genau, sie kommt in die Zucht, weil man mit ihr als Zuchtstute ja noch Geld verdienen kann. Es ist dann auch eigentlich egal, welche Ursache primär der Auslöser für den Sehnenschaden war. Denn es muss schon einiges schiefgehen, damit ein Pferd mit 10 nicht mehr ausreichend kompensieren kann und als Reitpferd nicht mehr „zu gebrauchen ist“. Die Wahrscheinlichkeit hier ist hoch, dass auch genetische Faktoren nicht eine zu unterschätzende Rolle spielen. Und diese genetische Disposition kann mit hoher Wahrscheinlichkeit an das Fohlen weiter gegeben werden.

            Daher ist hier mein Appel an die Reiterwelt zu überdenken, was die eigentlichen Zuchtziele sind und was tatsächlich langfristig Sinn macht.

So das reicht erst mal für heute –  bis bald eure Conny

Über mich

Hallo, ich bin Conny, Physiotherapeutin, Osteopathin und Tierheilpraktikerin für Pferde. In meinem Blog möchte ich immer wieder Aspekte der Reiterwelt thematisieren, die mir am Herzen liegen.

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